Der Jahreswechsel ist die Zeit der guten Vorsätze.
- „Ich will aufhören mit …“
- „Ich will weniger …“
- „Dieses Jahr mache ich alles anders.“
Das klingt entschlossen. Und scheitert erstaunlich oft schon im Februar. Aus systemischer Sicht ist das kein Mangel an Disziplin – sondern ein Denkfehler.
Schlechte Angewohnheiten sind selten einfach „schlecht“
Viele Verhaltensweisen, die wir heute loswerden wollen, hatten einmal eine wichtige Funktion. Sie haben uns entlastet, geschützt, stabilisiert oder durch schwierige Zeiten getragen.
Zum Beispiel:
Rückzug, um Konflikte zu vermeiden
Perfektionismus, um Anerkennung zu bekommen
Essen, Alkohol oder Medien, um Stress zu regulieren
Systemisch gefragt geht es deshalb weniger um „Warum mache ich das?“,sondern um „Wozu war das einmal gut?“
Verstehen kommt vor Verändern
Wenn wir versuchen, etwas einfach "wegzumachen", ohne seine Funktion zu würdigen, entsteht innerer Widerstand. Nicht, weil wir „inkonsequent“ sind –sondern weil ein Teil von uns an einer bewährten Lösung festhält.
Veränderung wird nachhaltiger, wenn wir zuerst verstehen:
Welche Funktion erfüllt dieses Verhalten?
Wovor hat es mich geschützt?
Was würde fehlen, wenn es plötzlich weg wäre?
Erst dann kann Neues entstehen, das dieselbe Funktion erfüllt – aber weniger kostet.
Vielleicht geht es nicht ums Aufhören, sondern ums Neuordnen
Zum Jahresbeginn muss nicht alles neu werden.Manches darf bleiben.Manches darf angepasst werden.Und manches darf sich langsam verabschieden, wenn Alternativen da sind.
Systemisch gedacht heißt das:Nicht gegen sich arbeiten, sondern mit dem eigenen System.
Ein anderer Vorsatz
Vielleicht könnte ein Vorsatz für dieses Jahr lauten:
weniger streng mit mir sein
wohlwollender auf alte Muster schauen
neugierig prüfen, was sich neu ordnen darf
Nicht als großes Projekt. Sondern in kleinen, stimmigen Schritten.