Psychotherapie und systemische Therapie – wo liegt eigentlich der Unterschied?
Diese Frage begegnet uns in Gesprächen mit Klientinnen und Klienten immer wieder: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Psychotherapie und systemischer Therapie? Und oft zeigt sich dabei, dass Begriffe durcheinandergeraten sind. Grund genug, hier etwas Klarheit zu schaffen.
Psychotherapie als Oberbegriff
Psychotherapie ist zunächst einmal ein Oberbegriff. Er bezeichnet verschiedene wissenschaftlich anerkannte Verfahren zur Behandlung psychischer Erkrankungen und seelischer Belastungen. Innerhalb dieses Rahmens gibt es unterschiedliche psychotherapeutische Richtungen.
Zu den bekanntesten gehören:
die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie,
die Verhaltenstherapie
und die systemische Therapie.
Alle diese Verfahren sind Psychotherapie. Sie unterscheiden sich nicht im Anspruch oder in der Professionalität, sondern vor allem in ihrem theoretischen Hintergrund und ihrem Blick auf menschliche Probleme.
Was bedeutet „systemisch“?
Der Begriff „systemisch“ wird gelegentlich missverstanden. Er hat nichts mit „systematisch“ zu tun. Gemeint ist vielmehr der Blick auf Systeme, also auf die sozialen Zusammenhänge, in denen Menschen leben und handeln.
Systemische Therapie betrachtet Menschen nicht isoliert. Sie fragt danach, in welchen Beziehungsgeflechten, Rollen und Kontexten ein Mensch sich bewegt – etwa in der Familie, in Partnerschaften, im beruflichen Umfeld oder in anderen prägenden sozialen Systemen.
Probleme oder Symptome werden dabei nicht als persönliches Versagen verstanden, sondern als sinnvolle Reaktionen auf bestimmte Bedingungen. Als bestmöglichste Lösung in der damalioegn Situation
Oft haben sie einmal geholfen, mit einer Situation umzugehen – auch wenn sie heute belastend geworden sind.
Ein anderer Blickwinkel – nicht ein anderes Niveau
Systemische Therapie ist keine „Alternative“ zur Psychotherapie und auch keine weniger intensive Form davon. Sie ist Psychotherapie mit einem anderen Fokus.
Während andere Verfahren stärker auf individuelle innere Prozesse, biografische Erfahrungen oder konkrete Verhaltensänderungen schauen, richtet die systemische Perspektive den Blick auf:
Beziehungen und Wechselwirkungen,
wiederkehrende Muster,
Kommunikationsformen,
und die Bedeutung des jeweiligen Kontextes.
Dieser Blick kann entlastend sein, weil er den Fokus erweitert: weg von der Frage „Was stimmt nicht mit mir?“ hin zu „In welchen Zusammenhängen bewege ich mich – und was wirkt dort auf mich ein?“
Eine Einladung zum Hinschauen
Systemische Therapie lädt dazu ein, neugierig auf das eigene Umfeld zu werden. Nicht im Sinne von Bewertung oder Optimierung, sondern als achtsames Wahrnehmen dessen, was dazugehört.
Am Ende steht deshalb oft keine schnelle Antwort, sondern eine offene Frage:
In welchen Systemen bewegst du dich gerade – und welche davon tun dir gut?
Manchmal beginnt Veränderung genau dort: Beim bewussten Blick auf die Zusammenhänge, in denen unser Leben stattfindet.