Musik machen weckt Erinnerungen, die der Kopf längst vergessen glaubte.
Am letzten Wochenende war hier die Gießener Kulturnacht. Unsere Freundin Cordula fragte uns relativ spontan, ob wir Lust hätten, bei einer kleinen Open-Stage-Aktion mitzuspielen. Mein erster Impuls war ehrlich gesagt wenig begeistert. Sofort meldete sich der innere Kritiker: „Wir haben so lange nicht zusammen geprobt.“ „Das wird bestimmt stressig.“ „Lass es lieber.“
Zum Glück wurde ich überstimmt. Wir trafen uns einmal zum Proben. Und dann passierte etwas, das mich wirklich berührt hat: Obwohl wir sehr lange nicht zusammen musiziert hatten, konnten wir sofort wieder anknüpfen. Das Timing war einfach wieder da, das gemeinsame Tempo, die Übergänge, die Dynamik. Nicht bewusst aus dem Kopf heraus, eher aus dem Körper heraus. Als hätte sich etwas erinnert, das die ganze Zeit gespeichert geblieben war.
Dieses gemeinsame Musizieren erzeugt Resonanz, nicht nur musikalisch, sondern auch zwischenmenschlich.
Spannend finde ich, dass es tatsächlich Forschung (mpi) dazu gibt: Beim gemeinsamen Musizieren synchronisieren sich Gehirnaktivitäten von Menschen messbar miteinander. Studien zeigen sogar, dass diese Synchronisation bereits beginnt, bevor der erste Ton gespielt wird. Allein die gemeinsame Ausrichtung scheint schon etwas im Nervensystem zu verändern.
Und ehrlich gesagt, genau so hat es sich angefühlt. Es war nicht perfekt, aber es war lebendig!