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Neues aus der Traumatherapie

Warum dein Körper oft schneller ist als dein Verstand
11. Mai 2026 durch
Neues aus der Traumatherapie
zusammenbesser.team, Friederike Rose-Simonow
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Du kennst das vielleicht: Du sagst dir, dass alles in Ordnung ist. Du hast die Situation verstanden, kannst sie erklären und einordnen. Und trotzdem fühlt sich dein Körper anders an. Vielleicht ist da ein Druck im Brustkorb, ein flauer Magen, Herzklopfen oder eine innere Unruhe, die sich nicht einfach „wegdenken“ lässt.

In solchen Momenten zeigt sich etwas sehr Grundlegendes: Dein Erleben besteht nicht nur aus Gedanken. Dein Körper, deine Gefühle, deine inneren Bilder und deine Reaktionen sind immer mit beteiligt.

Ein Modell aus der körperorientierten Traumatherapie, dem Somatic Experiencing (SE), beschreibt diese verschiedenen Ebenen. Es heißt SIBAM. Der Name ist eine Abkürzung und steht für fünf Bereiche unseres Erlebens:

S    Sensation (Körperempfindung)

I    Image, Impression (innere Bilder, Eindrücke)

B    Behavior (Verhalten)

A    Affect (Gefühle) 

M    Meaning (Bedeutung und Gedanken)

Diese fünf Ebenen laufen immer gleichzeitig ab, auch wenn wir oft nur einen Teil davon bewusst wahrnehmen.

  • Die Körperempfindung beschreibt das, was du direkt spürst, zum Beispiel Enge, Wärme oder Anspannung. 
  • Innere Bilder können Erinnerungen oder visuelle Eindrücke sein, die plötzlich auftauchen.
  • Verhalten zeigt sich in Impulsen, die von außen beobachtbar sind. Zum Beispiel tiefes Atmen, Zittern, Schwitzen oder unruhige Beine
  • Gefühle umfassen Emotionen wie Angst, Wut, Trauer oder Freude. 
  • Und die Bedeutung beschreibt die Gedanken und Bewertungen, die du einer Situation gibst.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Du bekommst eine unangenehme Nachricht. Dein Verstand sagt dir vielleicht, dass sich das klären lässt. Gleichzeitig reagiert dein Körper sofort, dein Herz schlägt schneller oder dein Bauch zieht sich zusammen. Vielleicht taucht ein inneres Bild auf, das dich an frühere Erfahrungen erinnert. Du zögerst mit deiner Antwort oder formulierst besonders vorsichtig. Und irgendwo ist da ein Gefühl von Unsicherheit, auch wenn du es nicht sofort benennen kannst.

All diese Ebenen laufen gleichzeitig ab. Wenn sie gut miteinander verbunden sind,  bist in Kontakt mit dir selbst und kannst flexibel reagieren. Wenn jedoch Stress oder Überforderung dazukommen, kann sich dieses Zusammenspiel verändern. Manche Ebenen treten in den Vordergrund, andere werden weniger zugänglich. Du funktionierst vielleicht gut im Denken, spürst dich aber kaum noch im Körper. Oder dein Körper reagiert stark, ohne dass du genau verstehst, warum.Das ist kein Fehler, sondern eine sinnvolle Reaktion deines Nervensystems. Es versucht, dich zu schützen.

Genau deshalb reicht es oft nicht aus, nur über etwas zu sprechen oder es zu verstehen. Ein Teil deiner Erfahrung sitzt im Körper und zeigt sich über Empfindungen und Reaktionen, die sich nicht einfach willentlich steuern lassen.

Der Weg zurück zu mehr innerer Ruhe beginnt oft damit, diese verschiedenen Ebenen wieder vorsichtig miteinander in Kontakt zu bringen. Das kann ganz einfach anfangen, indem du kurz innehältst und dich fragst, was gerade wirklich in dir passiert. Du kannst wahrnehmen, was du im Körper spürst, welche Emotion da ist oder ob ein Impuls auftaucht.

Du musst dabei nichts verändern. Allein das Wahrnehmen kann schon etwas in Bewegung bringen. Und manchmal ist genau das der erste Schritt zurück zu mehr innerer Sicherheit.

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