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Raum im Zwischenraum: Ma (間)

oder: wie Schweigen Ehen retten kann
22. Februar 2026 durch
Raum im Zwischenraum: Ma (間)
zusammenbesser.team, Friederike Rose-Simonow
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Das japanische Ma (間) 

Ma (間) bezeichnet den Raum dazwischen: Zwischen Tönen, zwischen Ereignissen, zwischen Sätzen oder auch die Lücke zwischen Bauwerken. Es ist der Moment zwischen Aus- und Einatmen; der Negativraum oder die Inspiration in der Leere. In der Auseinandersetzung können wir diesen Raum für uns nutzen. 

Wer kennt das nicht, wenn die Emotionen hochkochen und zumindest von einer Seite darauf bestanden wird: „Wir müssen das jetzt klären! " Doch in emotional aufgeladenen Momenten funktioniert das meist gar nicht gut. Im Gegenteil – Gespräche eskalieren, obwohl beide es eigentlich gut meinen. In Japan nutzen sie dafür Ma (間).

Ma heißt hier dann Zwischenraum oder Pause. Es ist keine Funkstille und kein Weglaufen. Es ist ein bewusstes Aussteigen, damit sich der Körper beruhigen kann.

Wenn ein Konflikt entsteht, sagen japanische Paare also einfach:

„Lass uns drei Minuten Ma (間) nehmen.“

In diesem Moment wird nichts geklärt. In diesem Moment passiert nichts:

  • kein Reden

  • kein Erklären

  • kein Rechtfertigen

  • kein Handy

  •  kein direkter Blickkontakt

Man sitzt oder steht still beieinander, bis sich die Körper wieder ruhiger anfühlen. Bis die Erregung abgeklungen ist. Erst danach wird weitergesprochen.

Eine Wirksamkeit aus dem Nichts

Bei Streit gerät unser Körper in Stress: das Herz schlägt schneller, die Atmung wird flacher und wir fühlen uns angegriffen oder unter Druck. In diesem Zustand gerät unser Nervensystem in den Überlebensmodus. Wir können dann schlechter zuhören, wir missverstehen schneller und fühlen uns sofort selbst missverstanden. Es kommt vor, dass wir Dinge sagen, die wir später bereuen. Wenn die Emotionen hochkochen, kann Porzellan zerschlagen werden, das sich mitunter schwer wieder kitten lässt; denn einmal Ausgesprochenes lässt sich sehr schwer wieder einfangen. 

Dabei ist das Problem selten fehlende Zuneigung. Das Problem ist jetzt ein überforderter Körper. Durch Ma (間) nehmen bekommt der Körper Zeit. In dieser Zeit wird Stress abgebaut und der Körper beginnt sich wieder zu regulieren und kommt in einen ruhigeren Zustand. Erst wenn die Erregung abklingt und der Körper sich sicher fühlt werden Lösungsoptionen wieder möglich. Zuhören, Verständnis und Nähe können dann den Zwischenraum wieder füllen; Lösungen können entstehen.

Oder einfacher gesagt: Erst beruhigt sich der Körper – dann kann das Gespräch helfen.

Ma (間) ist kein Wegschweigen

Die Stille ist dazu da, sich in einer energetisch aufgeladenen Situation um seinen Körper zu bemühen. Durch die Beruhigung wird Handlungsspielraum wiedergewonnen. Ma ist also nicht: jemanden bestrafen, Konflikte vermeiden oder Gefühle unterdrücken, sondern den Fokus auf die eigene körperliche Empfindung zu leiten:

Ich kümmere mich erst um meinen Körper, damit ich dir danach wirklich begegnen kann.“

Probiere Ma (間)

Wenn ein Gespräch immer schwieriger wird, liegt das oft nicht am Thema, sondern daran, dass das Nervensystem überfordert ist. Manchmal ist das Beste, was wir tun können: eine Pause machen, bevor wir weitermachen. 

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(Noch) nicht perfekt, aber da!