Wie funktioniert Somatic Experiencing® (SE) denn eigentlich?
Somatic Experiencing® (SE) ist ein körperorientierter Ansatz zur Regulation des Nervensystems und zur Verarbeitung von Stress- und Traumaerfahrungen. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit des Körpers, nach Belastungen wieder in einen Zustand von Sicherheit, Stabilität und Lebendigkeit zurückzufinden.
Zu Beginn einer SE-Begleitung geht es darum, mehr Sicherheit und Orientierung im Hier und Jetzt zu entwickeln. Denn erst wenn sich das Nervensystem ausreichend sicher fühlt, kann es den dauerhaften Alarmzustand verlassen und neue Erfahrungen zulassen.
Diese Sicherheit wird Schritt für Schritt aufgebaut. Dabei richten wir die Aufmerksamkeit zunächst auf Ressourcen und auf das, was im Moment angenehm, neutral oder stabilisierend erlebt wird. Das kann der Kontakt zum Stuhl sein, der Boden unter den Füßen, die Atmung, ein angenehmer Bereich im Körper oder etwas im Raum, das Halt und Orientierung vermittelt.
Auch klare Absprachen, Transparenz und das Wahrnehmen eigener Grenzen tragen dazu bei, Sicherheit entstehen zu lassen. Sie bestimmen jederzeit das Tempo und können jederzeit mitteilen, wenn sich etwas nicht stimmig anfühlt oder eine Pause notwendig ist.
Aus diesem stabileren Zustand heraus lernen Sie, die Signale Ihres Körpers bewusster wahrzunehmen. Dazu gehören sowohl angenehme Empfindungen als auch körperliche Reaktionen, die mit belastenden Erfahrungen in Zusammenhang stehen können.
Dabei wird nichts erzwungen oder überstürzt. In Somatic Experiencing® bewegen wir uns behutsam zwischen stabilisierenden Erfahrungen und herausfordernden Empfindungen. Dieses Pendeln hilft dem Nervensystem, im sogenannten Toleranzfenster zu bleiben – einem Bereich, in dem Erfahrungen verarbeitet werden können, ohne dass Überforderung, Überwältigung oder Dissoziation entstehen.
Im Verlauf des Prozesses können unvollständig gebliebene Stress- und Schutzreaktionen wieder spürbar werden. Der Körper erhält die Möglichkeit, diese Reaktionen in einem sicheren Rahmen zu vervollständigen. Dazu kann gehören, Grenzen zu setzen, sich innerlich zu wehren, Schutz zu erleben oder wieder in einen Zustand von Ruhe und Gleichgewicht zurückzufinden.
Viele Menschen erleben dadurch mehr innere Stabilität, Präsenz und Selbstvertrauen. Sie lernen, die Signale ihres Nervensystems besser zu verstehen und entwickeln nach und nach die Fähigkeit, sich selbst wirksam zu regulieren.
Somatic Experiencing® arbeitet dabei nicht primär über das wiederholte Erzählen belastender Erlebnisse, sondern über die achtsame Wahrnehmung dessen, was sich im Körper zeigt. Auf diese Weise können Veränderung und Heilung entstehen, ohne dass alte Erfahrungen erneut überwältigend werden.