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Musik verbindet

mit Magie
20. Mai 2026 durch
Musik verbindet
zusammenbesser.team, Friederike Rose-Simonow
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Musik machen weckt Erinnerungen, die der Kopf längst vergessen glaubte.

Am letzten Wochenende war hier die Gießener Kulturnacht. Unsere Freundin Cordula fragte uns relativ spontan, ob wir Lust hätten, bei einer kleinen Open-Stage-Aktion mitzuspielen. Mein erster Impuls war ehrlich gesagt wenig begeistert.  Wir haben so lange nicht zusammen geprobt. Das wird bestimmt stressig.

Zum Glück wurde ich überstimmt. Wir trafen uns einmal zum Proben. Und dann passierte etwas, das mich wirklich berührt hat.  Obwohl wir sehr lange nicht zusammen musiziert hatten, konnten wir sofort wieder anknüpfen. Das Timing war einfach wieder da, das gemeinsame Tempo, die Übergänge, die Dynamik. Nicht bewusst aus dem Kopf heraus, eher aus dem Körper heraus. Als hätte sich  etwas erinnert, das die ganze Zeit gespeichert geblieben war.

Dieses gemeinsame Musizieren erzeugt Resonanz, nicht nur musikalisch, sondern auch zwischenmenschlich.

Spannend finde ich, dass es tatsächlich Forschung (mpi) dazu gibt: Beim gemeinsamen Musizieren synchronisieren sich Gehirnaktivitäten von Menschen messbar miteinander. Studien zeigen sogar, dass diese Synchronisation bereits beginnt, bevor der erste Ton gespielt wird. Allein die gemeinsame Ausrichtung scheint schon etwas im Nervensystem zu verändern.

Wenn Gehirne sich beim Musizieren synchronisieren

Die Forschung spricht hier von interpersoneller neuronaler Synchronisation. Gemeint ist, dass sich bestimmte Aktivitätsmuster verschiedener Gehirne während gemeinsamer Interaktion teilweise angleichen können.

Und das lässt sich das beim gemeinsamen Musizieren besonders gut beobachten. Hören, Bewegung, Rhythmus, Aufmerksamkeit und emotionale Abstimmung müssen permanent miteinander koordiniert werden. Das Gehirn arbeitet dabei nicht nur reaktiv, sondern ständig vorhersagend. Es versucht fortlaufend einzuschätzen, wann der nächste Schlag kommt, wann eine Phrase endet oder wann sich Dynamik und Tempo verändern.

Wenn mehrere Menschen dieselben musikalischen Vorhersagen teilen, entstehen hoch koordinierte Prozesse zwischen Wahrnehmung und Bewegung. Studien mit sogenannten EEG-Hyperscans zeigen tatsächlich, dass sich dabei neuronale Rhythmen zwischen Musikern synchronisieren können, besonders bei gemeinsamem Timing und Rhythmus.

Viele Musiker erleben genau wie wir, dass gemeinsames Spielen selbst nach längerer Pause erstaunlich schnell wieder funktioniert. Oft fühlt sich das weniger wie bewusste Erinnerung an sondern mehr wie ein Körperwissen. Der Körper erinnert sich daran, wann Spannung entsteht, wann ein Einsatz kommt, wie der Ton im Kehlkopf richtig sitzt oder wie sich ein gemeinsamer Groove anfühlt. 

Auch aus Sicht des Somatic Experiencing (SE) ist das wirklich interessant. Rhythmus, Stimme und Synchronität wirken regulierend auf das autonome Nervensystem. Gemeinsames Musizieren kann dadurch soziale Sicherheit, Verbindung und Co-Regulation fördern.

Musik fühlt sich oft so tief verbindend an, weil sich dabei nicht nur Gedanken abstimmen, sondern ganze Nervensysteme miteinander in Resonanz gehen. Und ehrlich gesagt, genau so hat es sich angefühlt. Es war nicht perfekt, aber es war lebendig!



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